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Monthly Archives: Januar 2012
Buchvorstellung mit Joseph Vogl und Bertram Schefold in der ZBW
Joseph Vogl geht in seinem Buch an die Grundpfeiler der Wirtschaftswissenschaft: Sind die irrationalen Exuberanzen wirklich Ausnahmefälle oder eher reguläre Prozesse im Getriebekapitalistischer Ökonomien?
Joseph Vogl meint, dass Verhaltensweisen, Praktiken, Mentalitäten und Theorien, die sich auf die Finanzmärkte beziehen, in der Öffentlichkeit als Rätsel empfunden und auch von den Ökonomen nicht wirklich verstanden werden. Dabei hat sich das Kapital zunehmend als reines Wertgespenst entpuppt.
Der Autor versucht als Kultur- und Literaturwissenschaftler die innere Logik des Systems zu beschreiben: In den von den Ökonomen entwickelten Theorien sind Krisen nicht vorgesehen. Wenn sie trotzdem entstehen, sind sie auf irrationale Verhaltensweisen zurückzuführen. In ihrem Bemühen, das ökonomische Regime mit einem in sich geschlossenen System zu erklären, greifen die Ökonomen auf eine politische Physik oder Mechanik zurück und abstrahieren von den jeweiligen historischen Konstellationen. Das Finanzökonomische Regime beherrscht mittlerweile soziale, politische und kulturelle Entscheidungsprozesse. Die politische Souveränität der Bürger wurde abgegeben. Letztlich führt die Vergötterung der Märkte (Oikodizee) dazu, dass die Frage „Welche Art von Gesellschaftsvertrag wollen wir?” gar nicht mehr gestellt wird.
