Monatsarchive: Juni 2007

Blog auf Reisen: CEF 2007 15.7.2007

Hier ein Überblick über interessante Veranstaltungen:

Ramon-Dolorez und Vazquez präsentieren Taylor-Regeln mit Zinsdifferenz und Aktienkursen, eingebaut in ein Neukeynesianisches Modell. Schätzungen für die Greenspan-Periode zeigen, dass die Fed auf “excess return” nicht reagiert — nur in dem Maße, in dem zukünftige Inflation und Beschäftigung betroffen sind. Die verwendete Methode der “indirekten Inferenz” ermöglicht es, stark nicht-lineare Beziehungen zu schätzen, wobei die Verteilungen nicht bekannt sind. Ihr Argument ist etwas anders: Sie argumentieren, dass sie im Gegensatz zu den beliebten Bayesianischen Schätzungen weniger Restriktionen auf die Parameter setzen müssen. Interessant ist auch das Wiederauftauchen der Zinsdifferenz als Erwartungsvariable — die war wohl einige Jahre verschwunden, jetzt entdeckt man die Paper der 80er Jahre wieder.

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Blog auf Reisen: CEF 2007 am 14.6.2007

Die Konferenz hat sich in den vergangenen Jahren sehr stark im Bereich neukeynesianischer Makroökonomie und angewandte Makroökonometrie entwickelt — im Vergleich zu meinem letzten Besuch vor zwei Jahren ist das sehr auffällig. Was sind die aktuellen Trends?

  • Schätzung und Weiterentwicklung neukeynesianischer Makromodelle (DSGE): Hier hat sich seit dem grandiosen Erfolg von Smets und Wouters eine Menge getan. Vor allem werden bayesianische Methoden eingesetzt. DSGE-Modelle sind inzwischen nahezu ein “Industriestandard”, ihre Berechnung und Herleitung wird als bekannt vorausgesetzt. DSGE-Modelle werden in einigen Zentralbanken (Fed, ECB, Sveriges Rijksbank, Bank of England) nicht nur für Politikevalutionen eingesetzt, vielmehr beschäftigen sich ganze “Sessions” mit den tollen Prognoseeigenschaften dieser Modelle. Die entsprechenden Vorträge waren interessant, als die Prognosefehler untersucht wurden. DSGE-Modelle sind schlecht, wenn es Verschiebungen in den unterliegenden Trends gibt. Das ist eigentlich schon vorher klar, da die Modelle ja nur die Abweichungen von einem “steady state” modellieren. Hier stösst die neukeynesianische Modellierung an ihre härtesten Grenzen: Sie kann den Trend bzw. Verschiebungen in den als stationär angenommenen Beziehungen zwischen Fundamentalvariablen nicht erklären.
  • Geldpolitische Analyse unter Unsicherheit und vor allem “Learning”. Hier gibt es in der Tat interessante Ansätze. Oder wusstet Ihr, dass jetzt (einige aber nicht belächelte) Makroökonomen “social learning” entdeckt haben und ihre Modelle mit “agent-based” Methoden basteln?
  • Strukturelle VARs: Hier haben sich die “sign restrictions” inzwischen durchgesetzt. Es gibt kaum noch jemanden, der sich traut, eine andere Identifikation vorzulegen (es sei denn er ist alt genug, dann hat er entweder geschlafen oder kann es sich “erlauben” ;-)). Hinzu kommen zwei Modelltypen: FAVARs sind sogenannte “factor augmented” VARs, also VARs bei denen Faktoren aus statischer oder dynamischer Faktoranalyse zugefügt werden. Hinzu kommen TV-SVARs, das sind mit Kalman-Filter geschätzte VARs mit zeitvariablen Koeffizienten und stochastischer Volatilität. Letztere sind seit drei bis fünf Jahren der neueste Schrei, da — nach allgemeiner Auffassung weitgehend frei von den Anfeindungen der Lucas-Kritik (ich bin da etwas skeptisch, da die Identifikation solcher Modelle immer mit Kosten verbunden ist…)

Insgesamt auffällig ist, dass auch Europäische Universitäten kräftig mitmischen. Übrigens: Immerhin zwei Teilnehmer vom DIW. Die EZB ist stark vertreten und auch die Bundesbank erzählt in einigen Vorträgen, wie wichtig doch die Geldmenge sei (OK, es gab auch andere Vorträge). Ein frisch gekürter Zentralbankgouverneur konnte sich ein schelmisches Schmunzeln nicht verkneifen, als wir darüber sprachen. Ich möchte gern mal die Gesichter seiner Kollegen im EZB-Rat sehen, wenn der Schüler von Robert Solow, dessen Forschungen sich auch mit Nichtneutralität von Geldpolitik beschäftigt haben, demnächst mit abstimmt. ;-)

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Blog auf Reisen — Montreal (CEF 2007)

In Anbetracht meiner außerordentlichen Reise über den großen Teich habe ich beschlossen, über die Konferenz “Computing in Economics and Finance 2007” zu berichten (natürlich ist das abgekupfert: Sebastian Dullien im Wirtschaftswunder hat auch über die Konferenz in Kiel berichtet). Der geneigte berichtende Blog-Schreiber wird ja erst am Freitag vortragen — hat also noch ein wenig Zeit an seinem Vortrag zu basteln ;-) — aber wie man sieht funktioniert ein kanadisches Studentenwohnheim hervorragend (OK, die könnten auch WLAN statt Kabel machen aber immerhin haben sie mir gleich ein Kabel angeboten und ausserdem ist das unbestritten schneller). Also schaut immer mal rein, ich werde wenn es die Zeit erlaubt, die neuesten Paper besprechen und es wird — hoffentlich — auch ein wenig Makroökonomentratsch geben (allerdings wahrscheinlich auf einem ziemlichen “Nerd”-Niveau: Treffen sich zwei Funktionen. Sagt die eine: Aus dem Weg sonst leite ich dich ab. Lacht die andere und sagt: Ätsch, ich bin eine e-Funktion….). Na ja, so schlimm wird es dann hoffentlich doch nicht, bis bald! Euer rasender Reporter aus Kanada.

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Tracking the Hip Heterodoxy Debate

The debate continues. Here and here are interesting posts on Economist’s View.

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Hip Heterodoxy Again: Tom Palley on Income Distribution

The discussion has still some interesting aspects.

Here is a quite thoughtful post by Tom Palley:

Last week as part of a discussion on the state of orthodox economics hosted by TPM Café, I posted an article excavating the microeconomic foundations of neo-classical economics. In that article I wrote:

There is one place that even orthodox lefties dare not go. That untouchable place is marginal product theory of income distribution, which basically says that competitive markets ensure that people are paid their contribution to production. This theory provides both a justification and an explanation of income distribution.

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FTD über Produktivitätswachstum


Die FTD schreibt in ihrem — sonst immer lesenswerten — Blog über Produktivitätswachstum in Deutschland. Abgesehen davon dass die Daten für einen internationalen Vergleich falsch skaliert wurden (was für die Betrachtung in der Zeit ja keine Rolle spielt), basiert die ganze Story auf EINER Beobachtung. Dies zeigt der mit einem HP-Filter berechnete Trend — jeweils bis zum 4. Quartal 2006 und zum 1. Quartal 2007 — in folgendem Bild.

Daraus kann man zweierlei ableiten. Eine blinde Trendberechnung kann unglaublich problematisch sein und ökonomische Argumente können nicht schaden (es sei gestattet hier auf meinen Beitrag in dem Blog zu verweisen ;-))

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Update: Political Compass

If you did the quiz you can check here if your positions fit with the political parties in Germany (2005). To be honest, I don’t believe this. The Greens close to Gandhi as well as the Left Party? And a remarkable distance between SPD and CDU? Maybe, there is a confusion between both. Do you really see the FDP where it is assumed?

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Political Compass


As Greg Mankiw and Dani Rodrik posted on their blogs, the political compass quiz is a nice game.

It must be quite funny to see, how continal European ethical, economical and political values work in this US centered quiz. Am I closer to Gandhi or Rodrik? I think it does not matter as long as the distance to Friedman and Thatcher is far enough, isn’t it? Anyone willing to post his coordinates?

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Makroökonomie ist männlich – Sebastian Dullien berichtet aus Kiel

Sebastian Dullien berichtet aus Kiel:

“Dass Männer in der Mehrzahl sind, erlebt man oft auf volkswirtschaftlichen Konferenzen. Selten aber habe ich ähnlich großes Ungleichgewicht erlebt, wie auf der Kieler Konferenz, die heute zu Ende geht: Von rund 100 Teilnehmern waren gerade einmal fünf Frauen.

Natürlich ist seit langem bekannt, dass der Anteil von Frauen auf Professuren in Deutschland sehr niedrig ist (bei knapp über 10 Prozent). Allerdings war die Konferenz international ausgerichtet und in anderen Ländern liegt diese Quote zum Teil spürbar höher als bei uns. Und auch an den Wirtschaftsfachbereichen in Deutschland liegt die Frauenquote heute höher als auf der Kieler Konferenz (vor allem, wenn man berücksichtigt, dass eine der Frauen auch noch die Ehefrau des Ehrengastes Edmund Phelps war, die wahrscheinlich nicht alleine angereist wäre).

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Nice Comment on Blogging about Hip Heterodox Economists

Jane Galt on Asymmetrical Information posted:

“If you are going to read the TPMCafe Book Club on heterodox economics, I highly recommend that you do so while listening to Die Walkure. It gives the whole thing exactly the right atmosphere.”

I tried with Argentine tango (Maestro Pugliese) — and it works as well. At least if there is enough pain, suffering and corazon in it!

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